Zahlen & Fakten | ZsN 2021

Weltweite Zunahme von Gewalt gegen Frauen

Aktueller Bericht von UN Women zeigt enormes Ausmaß

Nach wie vor sind Frauen und Mädchen in aller Welt Opfer von Gewalt – auch in Deutschland. Diese Frauen leiden unter den unmittelbaren und langfristigen physischen, sexuellen und psychischen Folgen.

Gewalt an Mädchen und Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. In Krisenzeiten steigen die Zahlen der Fälle von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, wie während der COVID-19-Pandemie und den jüngsten humanitären Krisen, Konflikten und Klimakatastrophen zu beobachten war.

© Zonta Club of Ilocos NorteZonta oranges the World, auch in San Nicolas, Philippinen. Foto|© Zonta Club of Ilocos Norte

Laut UN Woman haben mehr als 70 Prozent der Frauen in Krisensituationen geschlechtsspezifische Gewalt erlebt.
Ein aktueller Bericht von UN Women, der sich auf Daten aus 13 Ländern stützt, zeigt, dass zwei von drei Frauen berichteten, während der Pandemie geschlechtsspezifische Gewalt erlebt zu haben. Fast ein Viertel gab an, häufiger Haushaltskonflikte zu haben, und ein ähnlicher Anteil gab an, sich zu Hause weniger sicher zu fühlen.

In einer virtuellen Veranstaltung anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen 2021 bezeichnete UN Women Chefin Sima Bahous geschlechtsspezifische Gewalt als „eine globale Krise“. Quelle: https://data.unwomen.org/publications/vaw-rga

 

"Im Durchschnitt wird jede dritte Frau
Opfer einer Gewalttat, einer Vergewaltigung
oder eines Angriffs."

Dr. Susanne von Bassewitz, Past-President Zonta International und Koordinatorin von Zonta says NO in Deutschland


zum Vergrößern anklicken | © United Nations

Partnerschaftsgewalt in Deutschland erneut gestiegen

Pro Stunde übten im vergangenen Jahr mehr als 13 Männer Gewalt gegen ihre Partnerin aus. Jeden zweiten bis dritten Tag tötet ein Ehemann oder (Ex-) Lebenspartner seine Frau.

Laut Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem vergangenen Jahr hatte die Gewalt gegen Frauen im privaten Umfeld bereits zwischen 2014 und 2019 um 11,2 Prozent zugenommen. Der BKA-Bericht 2020 verzeichnet einen erneuten Anstieg der zur Strafanzeige gebrachten Partnerschaftsgewaltdelikte gegen Frauen um 3,7 Prozent.

  • Im Jahr 2020 wurden 139 Frauen Opfer von partnerschaftlicher Gewalt mit tödlichem Ausgang. 2019 waren es 117.
  • 119.164 Fälle von Partnerschaftsgewalt gegen Frauen zählt die BKA Statistik für 2020, gegenüber 114.903 Fällen im Jahr 2019.
  • Insgesamt wurden 148.031 Fälle von partnerschaftlicher Gewalt erfasst.
  • In 80,5 Prozent der Fälle richtete sich die Gewalt gegen Personen weiblichen Geschlechts.

Zuhause nicht sicher

  • 51,5 Prozent der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen lebten mit dem Partner in einem Haushalt.

Beunruhigende Tendenz

  • Gegenüber 2019 ist die Gesamtzahl der Taten partnerschaftlicher Gewalt um 4,4 Prozent erneut gestiegen. Damit bestätigt sich die beunruhigende Tendenz der Vorjahre seit Erfassung dieser Delikte ab 2014.

Tatverdächtig sind überwiegend Männer

  • 79,1 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer.

Die Kriminalstatistische Auswertung des BKA zur Partnerschaftsgewalt 2020 kann hier heruntergeladen werden: https://t1p.de/BKABericht2020

Bei diesen Zahlen handelt es sich nur um das sogenannte Hellfeld.Die Dunkelziffer liegt deutlich höher, denn noch immer lassen die Kontrolle durch den Partner und die Angst davor, etwa ihre Kinder zu verlieren, die Betroffenen davor zurückschrecken, sich die notwendige Hilfe zu holen.

Folgen von Partnerschaftsgewalt

Neben physischen Verletzungen beeinträchtigen psychische Traumafolgestörungen das Leben der Betroffenen. Durch indirekte oder direkte Gewalterfahrungen traumatisiert sind dabei häufig auch ihre Kinder.

Als konkrete Folgen zählt die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 den Verlust des Selbstbewusstseins, das Gefühl der Verletzlichkeit, Schlafstörungen und Ängste auf.

Anhaltende Gewalterfahrungen in Partnerschaft und Familie führen zu schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen mit intensivem Therapiebedarf wie zum Beispiel Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen.